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Stadtarchäologischer Beitrag zur Kulturhauptstadt 2010 -
Visualisierungen der Kulturlandschaft in Dortmund, Duisburg und Essen

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Die Dortmunder Burgenlandschaft

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Auf der Basis schriftlicher Quellen lassen sich dem heutigen Dortmunder Stadtgebiet mehr als 60 Adelssitze zuordnen, gezählt sind dabei nur die Anlagen, die den Kategorien Schloss, Wohnturm, festes Haus oder Burg zugeordnet werden können. Alle waren Sitze des niederen Adels, in der Regel des Ministerialadels.
44 der erwähnten Anlagen können präzise lokalisiert werden (s. Karte Adelssitze). Bei ihnen handelt es sich überwiegend um Niederungsburgen, da die Topographie des Dortmunder Stadtgebiets diesen Typus begünstigt. Bis auf zwei Ausnahmen lagen bzw. liegen alle Anlagen direkt an einem Gewässer, d.h. an einem Siepen, Bach oder Fluss, den sie für den Ausbau zur „Wasserburg“ nutzten. Im Gegensatz zum Wasser spielten Landwege bei der Platzauswahl offensichtlich nur eine untergeordnete Rolle. So lässt sich der wichtigste Handelsweg des hohen und späten Mittelalters in der Region, der Hellweg, anhand der Burgenverteilung zwar indirekt ablesen. Doch die Burgenlinie, die im Abstand von 1 km nördlich parallel zum Hellweg erkennbar ist, geht auf die Anlage der Dörfer entlang des Hellwegs zurück. Insgesamt ist bei ca. 4/5 aller Dortmunder Burgen der Bezug zu einer Ortschaft belegt.

Adelsitze Adelsitze

Die Bedeutung der Niederungsburgen als Grenzsicherung zeigt das Beispiel der Grafschaftsbegrenzung Dortmunds (s. Karte Grafschaftsgrenze). Von den 44 lokalisierbaren Adelssitzen lagen nur fünf innerhalb der Dortmunder Grafschaftsfläche. Bei genauerer Betrachtung entfallen aufgrund mäandrierender Gewässer und sich ändernder Grenzverläufe davon zwei, so dass nur drei Anlagen tatsächlich der Stadt und Grafschaft Dortmund zuzuordnen sind. Von den nicht im Dortmunder Gebiet angesiedelten Burgen gehörte eine dem Essener Damenstift, alle anderen zur Grafschaft Mark. Viele von ihnen wurden von den Märkern direkt zur Grenzsicherung erworben oder angelegt. Sie konzentrierten sich entlang der Emscher und im Emscherhinterland, die die Grenze zur Stadt und Grafschaft Dortmund bildeten.

Bei den Dortmunder Niederungsburgen handelt es sich um zwei Anlagentypen: die Ein- und die Zweiinselanlage. Bei den Eininselanlagen (s. Abbildung Eininselanlage) befanden sich alle zugehörigen Gebäude auf einer Insel, nur selten stand außen an der Gräfte eine Vorburg. Die Maße waren recht einheitlich. Im Schnitt umfasste die Gräfte eine Fläche von 400 qm. Auf der zugehörigen Gräfteninsel mit ca. 150 qm Fläche standen das Wohnhaus, häufig als Rechteck- oder Zweiflügelbau mit max. 20 m Länge, Wirtschaftsgebäude unterschiedlicher Zahl und Anordnung sowie ein Torturm gegenüber dem Wohnhaus. Alle Gebäude waren in der Regel randlich zur Gräfte angeordnet, oftmals wurden vorhandene Umgrenzungsmauern als Außenwände mit einbezogen.
Die Zweiinselanlage (s. Abbildung Zweiinselanlage) umfasste im Schnitt eine doppelt so große Gesamtfläche von ca. 800 qm. Die größere der beiden Inseln trug die Wirtschaftgebäude auf durchschnittlich 200 qm Fläche, auf der ca. 75 qm großen Hauptinsel stand das Wohnhaus. Die Gebäude entsprachen in Maßen und Funktionen denen der Eininselanlage, ein Tortum war selten vorhanden.

Eininselanlage Zweiinselanlage

Die Ersterwähnungsdaten der Dortmunder Burgen spiegeln die große Zeit des Burgenbaus in der Region. Die Mehrzahl der Anlagen wird kurz vor 1200 oder im Verlauf des 13. Jahrhunderts erstmals genannt. Nur wenige begegnen früher in den Quellen.
Der bauliche Fortschritt der adeligen Wohnhäuser entspricht dem der allgemein bekannten Entwicklung. In den Grundrissen vieler Herrenhäuser sind die frühen Rechteckbauten oder Zweikammerhäuser noch gut ablesbar. Die mehrstöckigen Gebäude erreichten dabei Längen von max. 20 m. Ab dem späten 14. Jahrhundert entstanden auf den Wohninseln Zweiflügelbauten mit Seitenlängen von deutlich mehr als 20 m. Dieser Bautyp mit eingestelltem Treppenturm entwickelte sich aus dem Zweikammerhaus und ist Ausdruck einer stärker werdenden Differenzierung in Repräsentations-, Wohn- und Arbeitsbereiche. Viele Dortmunder Adelssitze veränderten sich danach kaum noch und überlebten in diesem Bauzustand bis in das 19. Jahrhundert, wo sie von der ersten amtlichen Vermessung Westfalens erfasst und ihre Gebäude- und Flächenbestände dokumentiert wurden.
Nur wenige Anlagen erfuhren noch eine grundlegende Erneuerung. Durch Wegfall der Wehrnotwenigkeit war eine Öffnung in die Fläche möglich. Manchmal wurde sogar der Zweiflügelbau mitsamt der Hauptinsel ganz aufgegeben, vielfach aber weiter ausgebaut.
Hier endet die bauliche Entwicklung der Dortmunder Adelsanlagen. Viele Burgen existierten noch bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhundert, vielfach gingen sie in den Besitz des Bergbaus, später in öffentliche Hände über. Von den 44 lokalisierbaren Dortmunder Häusern haben 15 bis heute oberirdisch zumindest in Teilen überdauert.

Abbildungen: Stadtarchäologie Dortmund

Literatur:
Henriette Brink-Kloke / Ursula Mehrfeld, Die Zeit der Herren. Dortmunder Adelssitze in Entwicklung und Tradition (Dortmund, 2. Auflage 2004)

Realisation:
Elke Schneider MA (Text & Fotos)
Bianca Khil (Text & Fotos)
Dr. Henriette Brink-Kloke (Text & Fotos)
Dipl.-Ing. Thomas Jedrzejas (3D-Modell)

Leitung:
Prof. Dr.-Ing. Heinz-Jürgen Przybilla
Hochschule Bochum, Fachbereich Vermessung und Geoinformatik
Labor für Photogrammetrie, Tel. +49 234 32 10517