Archäologische

RuhrZeiten

Stadtarchäologischer Beitrag zur Kulturhauptstadt 2010 -
Visualisierungen der Kulturlandschaft in Dortmund, Duisburg und Essen

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Deilbachhammer

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Der Deilbachhammer ist der letzte im Ruhrgebiet erhaltene Eisenhammer am authentischen Standort. Vermutlich im 16. Jahrhundert als dem Deilmannschen Bauernhof zugehörige Schmiede gegründet, entwickelte er sich ab dem 18. Jahrhundert zu einem Handwerksbetrieb mit eigenständigen Schmiedemeistern. Jüngste Funde und Forschungen lassen die These zu, dass der Deilbachhammer zwischen 1831 und 1844 das „erste Bahnbetriebswerk“ Deutschlands der von dem Industriepionier Friedrich Harkort gegründeten Deilthaler Eisenbahn gewesen sein könnte. Die Deilthaler Eisenbahn war eine 7,5 km lange schmalspurige Pferdebahn, die vom „Himmelsfürster Erbstollen“ bis nach Velbert-Nierenhof führte und der Kohleversorgung des frühindustrialisierten Wuppertaler Raumes diente. Diese Bahn führte seinerzeit quer durch das Gebäudeensemble des Deilbachhammers. Durch eine Hochwasserabschwemmung wurde 2006 ein Teil einer Pflasterung freigelegt, die zweifelsfrei als Trassenkörper der Deilthaler Eisenbahn identifiziert werden konnte. Quellen belegen darüber hinaus, dass der Deilbachhammer zu dieser Zeit um eine Schlosserei und eine Tischlerei sowie um eine heute in Deutschland einmalige exzenterangetriebene Blechschere erweitert wurde. Die Schere diente dem Zuschnitt der Bandeisen, die als Laufflächen auf den hölzernen Schienenkörper aufgelegt waren und dem Zuschnitt von Metallbandagen zur erhöhten Stabilität der Transportwagen.

Deilbachhammer 1911 wurde der Deilbachhammer dann von dem in unmittelbarer Nachbarschaft gebauten Kohlekraftwerk der Bergischen Elektrizitäts GmbH aufgekauft und 1917 nach einem Bruch der Hammerwelle stillgelegt. 1936/37 konnte der langsam verfallende Eisenhammer in einer konzertierten Aktion unter Beteiligung der Kraftwerksgesellschaft, der Firma Krupp, dem Verein Deutscher Eisenhüttenleute (VDEH), dem Verein Deutscher Ingenieure (VDI), der Stadt Essen und der Provincialverwaltung des Rheinlandes als „technisches Kulturdenkmal“ betriebsfertig wiederaufgebaut werden. Das Projekt erfolgte auf der Grundlage einer umfassenden Bauaufnahme durch Studierende der Höheren Staatslehranstalt für Hochbau in Essen unter Leitung des Dozenten Wilhelm Claas. Zusammen mit dem aus dem Siegerland auf die Essener Margarethenhöhe translozierten Halbachhammer ist der Deilbachhammer damit europaweit ein Pilotprojekt zu der Verfahrensweise der späteren Freilichtmuseen.

In den 1960er Jahren erwarb die Stadt Essen den Eisenhammer. Verschiedene, nicht hinreichend auf die Langzeitfolgen reflektierte Landschafts- und Baueingriffe machten den Eisenhammer danach zu einem Problemobjekt. So wurde z. B. der ehemalige Unterwassergraben, der u. a. auch der schnellen Abfuhr von regelmäßig auftretenden Hochwässern diente, durch ein höchst anfällige Pumpentechnik ersetzt. Die Konsequenz waren lange Standwasserzeiten mit erheblicher Gebäudebeschädigung. In den 1980er Jahren sollte das Kulturdenkmal vom Rheinischen Landschaftsverband als Außenstelle des Rheinischen Industriemuseums übernommen werden. Diese Übernahme kam aber nicht zustande. 2002 wurden auf Initiative des Fördervereins IDEE – Initiative Denkmäler Essens erhalten e. V. und des Ruhr Museums eine grundlegende denkmalpflegerische Bauaufnahme zum Hammergebäude und den Arbeiterhäuser durch die Schloss Raesfeld GmbH erstellt. Diese Studie wurde 2003 ergänzt durch ein Gutachten der Stadtwerke Essen AG zur baulichen Wiederherstellung des ehemaligen Werkgrabens. In Ergänzung und Aktualisierung der Raesfeld Studie wurde das Ensemble 2009 von der Hochschule Bochum, in einem wissenschaftlichen Forschungsprojekt mit aktuellen Laserscan- und Photogrammetrieverfahren maßstabsgerecht erfasst und dokumentiert.

Deilbachhammer Plan


Realisation:
A. Mikuscheit - Ruhrmuseum Essen (Text)
Stefan Sitterle (3D-Modell)

Leitung:
Prof. Dr.-Ing. Heinz-Jürgen Przybilla
Hochschule Bochum, Fachbereich Vermessung und Geoinformatik
Labor für Photogrammetrie, Tel. +49 234 32 10517