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Dingerkus Gartenhaus in Essen-Werden
Das Dingerkus-Gartenhaus ist eines von mehreren denkmalgeschützten Gebäuden im barocken Stil in Essen-Werden. Errichtet wurde es Ende des 18. Jahrhunderts an der Brandstorstraße im Auftrag von Johann Everhard Dingerkus, aus dem auch die heutige Namensgebung des Hauses hervorgeht.Es handelt sich dabei um ein zweistöckiges Gebäude auf einer ca. 17 m² großen Grundfläche, welches in den Hang gebaut und mit einem Mansardendach geschmückt wurde. Der Garten, sowie das Erdgeschoss, sind über eine seitlich angelegte Treppe zu erreichen. Oberhalb wird das Grundstück eingegrenzt durch die alte Stadtmauer, welche durch eine neue aufgesetzte Mauer erweitert wurde. Unterhalb trennt ein Zaun das Grundstück von der benachbarten Schule im Wesselswerth. Zur damaligen Zeit reichte der Garten einmal fast bis hinunter zur Ruhr. Aus einem Briefwechsel zwischen Dingerkus und seiner Tochter ist übermittelt, dass man sich im Garten zum Tee traf und die Kohlenschiffe auf der Ruhr beobachtete.
Zuletzt wurden Gebäude und Garten durch die Folkwang-Hochschule in Werden verwaltet, bis sich der „Freundeskreis Gartenhaus Dingerkus e.V.“ dessen annahmen. Durch ehrenamtliche Mitarbeit unterstützt der Verein die Pflege und Gestaltung des Gartens und des Hauses, um diese als einen „inspirierenden Ort für Kunst und Kultur“ zu erhalten.
Die Geschichte des Gartenhauses
Die im folgenden Kontext aufgeführten historischen Angaben zum Dingerkus-Gartenhaus wurden durch den Freundeskreis Gartenhaus Dingerkus e.V. zur Verfügung gestellt (Autor: Peter Bankmann, 2010).
Johann Everhard Dingerkus, geboren am 28.05.1725 in Attendorn, war Kanzleidirektor der Reichsabtei in Werden.Er war verheiratet mit Sophia Wilhelmine Leopoldine Funcke. Aus dieser Ehe gingen zwei Kinder hervor: Maria Agnes und Stefan Benedikt, der als Landgerichtsschreiber des Stiftes in Werden tätig war.Gewohnt hatte die Familie Dingerkus in der Grafenstraße 49, in dem Gebäude welches als Haus „Im Himmel“ bekannt war. Im Jahre 1783 kaufte Dingerkus mehrere Grundstücke „vor der Brandttorpfordte“, die vermutlich bis hinunter zur heute noch bekannten Gartenstraße reichten.Dies ist alten Katasterunterlagen von 1820 zu entnehmen, in denen die Grundstücke als „untere Gärten“ bezeichnet werden. Allerdings geht daraus nicht hervor, welche und wie viele Grundstücke Dingerkus damals kaufte. Sicher ist nur, dass die Grundstücke mit den Nummern 612 und 633 dazu zählten.
Dingerkus beauftragte 1790 Baumeister Engelbert Kleinhanz ihm ein Gartenhaus auf dem höchstgelegenen Punkt des Grundstücks zu errichten. Kleinhanz war abteilicher Baumeister der Stadt Werden und ist zu diesem Zeitpunkt ebenfalls noch mit dem Bau des Torhauses, dem letzten Gebäude der Werdener Abtei, beschäftigt. Nach Auflösung der Abtei verlässt er um 1805 Werden, da seine Bitte ihm einen Teil der abteilichen Gebäude für seine Baumwoll-Spinnerei zu überlassen, abgelehnt wurde. So siedelte er nach Elberfeldt um und baute dort seine Fabrik auf.
Das Gartenhaus, welches er für Dingerkus baute, besteht aus zwei Etagen mit je 17 m² Fläche. Zur oberen Etage führt eine Flügeltür und drei große Fenster erhellen den Raum. Dieser Zimmer wurde als Wohnraum genutzt und war dementsprechend repräsentativ ausgestattet. Von dort aus hatte man eine wunderbare Aussicht auf das Ruhrtal. Die untere Etage diente als Arbeits- und Küchenraum, versehen mit einem Fenster zur linken Seite. Rechtsgelegen befindet sich eine in den Hang gegrabene halbzylinderförmige Aushöhlung, deren Zweck nicht eindeutig geklärt ist. Es wird jedoch vermutet, dass sich an dieser Stelle einmal ein Brunnen befand. Die untere Etage und auch der Garten sind nur über eine seitlich an der Stadtmauer vorbeiführenden Treppe zu erreichen. Die Verzierungen im barocken Stil und das hohe Mansardendach aus Schiefer lassen das Gebäude imposant erscheinen. Diese Art der Gartenhäuser schien damals üblich gewesen zu sein, wie auch in einer Zeichnung von Thelott von 1813 zu sehen ist. Ein weiteres Beispiel ist das Gartenhaus im „Prinzengarten von Ettenheim“, das 1744 gebaut wurde und große Ähnlichkeit zu dem Dingerkus-Gartenhaus aufweist.
Der Garten der Familie Dingerkus folgte, bezogen auf seine Gestaltung, einer neuen Bewegung die zu dieser Zeit Einzug hatte. Gärten, in denen der Anbau von Obst und Gemüse zur Selbstversorgung diente, verdrängten die akkuraten barocken Gärten der Herrschenden. Wer es sich leisten konnte, erfüllte sich außerhalb der Stadt seinen Traum von einer eigenen Idylle. Diese bürgerlichen Gärten enthielten zwar noch barocke Landschaftselemente, aber der Anbau von Obst und Gemüse trat in den Vordergrund. So wurde der künstlerische Aspekt, der eine gewisse Repräsentation ausdrückte, mit dem Nutzen der Landwirtschaft vereint. So war höchst wahrscheinlich auch dieser Garten angelegt. Es gab verschiedene Obstbäume und -Sträucher, Gemüsebeete und Kräutergärten. Die Erzeugnisse des Gartens wurden weiterverarbeitet und als Vorräte für den Winter aufbewahrt. Blumen dienten nicht nur zur Zierde des Gartens, sondern wurden als Blumenschmuck, z.B. Blumensträuße und -kränze, für häusliche und kirchliche Zwecke verwendet. Die Gestaltung und Pflege des Gartens, und besonders die Aufzucht von Zier- und Nutzpflanzen bereiteten der Familie eine angenehme Freizeitbeschäftigung. Das Ergebnis waren prachtvolle Blütenvielfalt und eine großzügige Ernte von frischem Gemüse.
Noch während die Familie Dingerkus ihr Dasein im Garten genießt, liefern sich Napoleon und Preußen Auseinandersetzungen. Die unabhängige Reichsabtei steht vor der Auflösung. Wahrscheinlich nutzte die Familie den Garten als Rückzugsraum, um den Sorgen zu entfliehen. Doch im Jahr 1796 erreichten die Veränderungen innerhalb der Stadt Werden, ausgelöst durch die Preußen, auch die Familie Dingerkus. Denn Johann Everhard wird verhaftet und für ein halbes Jahr in einem Weseler Gefängnis festgehalten. Seine Tochter Maria Agnes hatte immer eine besondere Beziehung zum Garten, woraufhin er ihr das Anwesen testamentarisch vererbet. In der Zeit als Dingerkus festgehalten wurde ergab sich ein intensiver Briefwechsel zwischen den beiden, in denen Maria Agnes von ihrem Garten berichtet. Doch hatte sie nicht mehr allzu lange Freude daran, denn 1805 verstirbt sie. Johann Everhard Dingerkus überlebt seine Angehörigen und stirbt erst 1817 in Werden. Nach seinem Tod, so wird es angenommen, bleibt das Gartenhaus und auch das Wohnhaus „Im Himmel“ im Besitz der Familie.
Im Zuge der Industrialisierung, entsteht um 1900 in Werden im Wesselswerth ein neues Geschäftszentrum und mehrere Wohnhäuser. Dies hat zur Folge, dass die wunderbare Aussicht vom Dingerkus-Gartenhaus auf die Ruhr verbaut wird. Auch die Größe des Gartens nimmt mit der Zeit ab, da Teile des Grundstücks verkauft werden. Das Gebäude wird zur Zeit des dritten Reiches für BDM-Treffen genutzt. In den 50er und 60er Jahren nutzte die benachbarte Schule im Wesselswerth den Schulgarten zu Lehrzwecken und im unteren Raum des Gartenhauses befand sich ein Schreinergeschäft.In den 70er Jahren übernimmt die Folkwang-Hochschule die Schulgebäude im Wesselswerth und war damit auch zuständig für das Dingerkus-Gartenhaus und seinen Garten. Fast soll im Jahr 1990 das Gartenhaus abgerissen werden, doch engagierte Bürger aus Essen-Werden verhindern dies. Nachfahren der Familie Dingerkus sind noch vorhanden, jedoch nicht mehr innerhalb Werdens. Das Gartenhaus und ebenso das Wohnhaus „Im Himmel“ befinden sich nicht mehr in Familienbesitz.
Das Gartenhaus heute
Das Dingerkus-Gartenhaus ist von der Brandstorstraße aus betrachtet eher unscheinbar, da nur das Dach des Gebäudes sichtbar ist. Erst ein Blick hinter die Mauer lässt eine Ahnung über die Idylle entstehen, welche Familie Dingerkus Ende des 18. Jahrhunderts in dem prachtvollen Garten erlebte. Diesen Eindruck erfuhren auch einige Bürger der Stadt Werden und wollten diesen Ort wieder zum Leben erwecken.
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| Das Gartenhaus 2011 | Aus mehreren hundert Millionen Punkten bestehende farbige Punktwolke |
Finanziert werden die Umgestaltungsmaßnahmen aus Spenden der Vereinsmitglieder und engagierten Bürger. Das Motto des Freundeskreises lautet „Kunst und Kultur an historischem Ort“. Daher finden des Öfteren Veranstaltungen wie das „Sommerfest“ im Garten statt, an denen sich Besucher durch den Zauber, den dieses Kleinod ausstrahlt, inspirieren lassen können. In Zukunft sollen geerntete Erzeugnisse des Gartens, wie es überliefert wurde, weiterverarbeitet und dort zur Verköstigung vorgestellt werden, z.B. Sommerkappes, Dicke Bohnen oder Obstliköre. Außerdem können Besucher den fortschreitenden Prozess der Gartengestaltung mitverfolgen, der noch nicht vollständig abgeschlossen ist.
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| Farbscan des Erdgeschosses als erstes Ergebnis des Terrestrischen Laserscannings | Farbscan des Obergeschosses als erstes Ergebnis des Terrestrischen Laserscannings |
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| Gartenhaus und Garten 2011 | Gartenhaus und Garten um 1800 |
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| Die Dachkonstruktion | Der Dachstuhl |
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| Möblierung des Erdgeschosses | Möblierung des Erdgeschosses |
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| Möblierung des Obergeschosses | Möblierung des Obergeschosses |
Realisation:
Gartenhaus Dingerkus e.V. (Text)
Dipl.-Ing. Daniela Schütz (3D-Modell und Google Earth Implementierung)
Leitung:
Prof. Dr.-Ing. Heinz-Jürgen Przybilla
Hochschule Bochum, Fachbereich Vermessung und Geoinformatik
Labor für Photogrammetrie, Tel. +49 234 32 10517